Prison

Hohe Impfraten gegen COVID-19 in Haftanstalten in der Europäischen Region

Haftanstalten müssen zu einer vorrangigen Aufgabe für Impfkampagnen werden. Neue Daten aus der Europäischen Datenbank der WHO für Gesundheit im Strafvollzug (HIPED) verdeutlichen, dass Insassen und Beschäftigte von Haftanstalten zunehmend gegen COVID-19 geimpft werden. So sind in Spanien 100% des Gesundheitspersonals in Haftanstalten gegen COVID-19 geimpft.

Dennoch ist es bis zu einer vollständigen Durchimpfung in Haftanstalten noch ein langer Weg. „Es ist erfreulich, dass sich im Strafvollzug die Impfraten gegen COVID-19 erhöhen“, sagt Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. „Haftanstalten sind bei Epidemien und Infektionskrankheiten immer besonders gefährdet. Deshalb sorgen die Mitgliedstaaten zurecht dafür, dass beim Schutz der Gesundheit der Insassen und Beschäftigten von Haftanstalten niemand zurückgelassen wird.“

Er fügte hinzu: „Für Haftanstalten, in denen sich das Virus besonders schnell ausgebreitet hat und ernste Komplikationen aufgetreten sind, ist es eminent wichtig, dass die neuesten Daten zur Prävention der Ausbreitung übermittelt und bewertet werden. Durch Überwachung der Infektionsraten und der Durchimpfung sowie einer Reihe weiterer Indikatoren können die Länder ihre Konzepte wirksam anpassen und Ressourcen dort einsetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.“

Impfung in Haftanstalten: neueste Daten aus den Ländern

Die Datenbank HIPED der WHO ist ein Tool, das den Ländern und den zuständigen Strafvollzugsbehörden dabei behilflich ist, Informationen zu sammeln und auszutauschen, die für die Bekämpfung der aktuellen Pandemie unverzichtbar sind. Inzwischen enthält sie Daten aus 42 Ländern der Europäischen Region. Hier einige wesentliche Fakten aus der Datenbank HIPED:

  • In Spanien sind mehr als 84% der Häftlinge vollständig gegen COVID-19 geimpft, und weitere 13% haben ihre erste Dosis Impfstoff erhalten.
  • In Polen haben 74% der Häftlinge mindestens eine Dosis erhalten.
  • In Finnland, Irland und Schweden wurde die Impfrate mit 34,4%, 43,7% bzw. 59,1% angegeben.

„Einige Länder, z. B. Spanien, Polen und Irland, berichten von hohen Impfraten gegen COVID-19 in Haftanstalten“, erklärt Dr. Carina Ferreira-Borges, kommissarische Leiterin des Europäischen Büros der WHO für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten (Fachzentrum für nichtübertragbare Krankheiten). „Dies zeigt, dass die für Gesundheit im Strafvollzug zuständigen Ministerien zusammen mit den Gefängnisverwaltungen sich der besonderen Gefährdung der Menschen in Haftanstalten bewusst sind und schnell reagiert und die Theorie in die Praxis umgesetzt haben, indem sie die notwendigen Mittel einsetzen, um den Zugang zu wichtigen gesundheitlichen Interventionen wie Impfungen zu gewährleisten. Aber es gibt immer noch einige Regionen, in denen Haftanstalten nicht in die nationalen Impfpläne gegen COVID-19 integriert sind.“

Daten aus Strafvollzugseinrichtungen: Wege zur Verbesserung

„Es gibt Länder, in denen die Gesundheitsversorgung der Allgemeinbevölkerung voll digitalisiert und integriert, aber der Strafvollzug aus dieser digitalen Umgebung weitgehend ausgeschlossen ist“, erklärte Dr. Filipa Costa, Expertin für Gesundheitspolitik beim Programm für Alkohol, illegale Drogen und Gesundheit im Strafvollzug am Fachzentrum für nichtübertragbare Krankheiten.

„Informationen sind der Schlüssel zur Entwicklung von evidenzbasierten Konzepten. Deshalb ist es für die gesamte Europäische Region der WHO wirklich wichtig, ein umfassendes Gesundheitsinformationssystem für Haftanstalten zu entwickeln, das die Gesundheit im Strafvollzug in das öffentliche Gesundheitswesen einbindet.“

Die Datenbank HIPED, die vor Kurzem als Knotenpunkt der Vereinten Nationen für Informationen über Gesundheit im Strafvollzug anerkannt wurde, erhält ihre Informationen hauptsächlich aus einer Umfrage, die von den Mitgliedstaaten auf freiwilliger Basis beantwortet wird. Durch diesen Rahmen kann die WHO Statistiken über die Gefängnispopulation erstellen und nützliche Indikatoren zur Überwachung des Gesundheitsstatus und der Bilanz der Strafvollzugssysteme festlegen, einschließlich Informationen über die Bedingungen in Haftanstalten, das Gesundheitsverhalten der Häftlinge, das Leistungsangebot und die gesundheitlichen Resultate. Das System ist auch darauf ausgerichtet, die Einhaltung der Grundsätze der Gleichheit und anderer internationaler Normen festzuhalten, um sicherzustellen, dass die Häftlinge nicht zusätzlich zu ihrer Freiheit auch noch ihrer Gesundheit beraubt werden.

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