COVID-19 vaccination

Fragen und Antworten zu Therapeutika gegen COVID-19

Das WHO Regionalbüro für Europa sprach mit Dr. Dina Pfeifer, Medizinische Referentin im Referat Beherrschung von Infektionsrisiken bei WHO/Europa, über Therapeutika gegen COVID-19, ihre Funktionsweise und ihre mögliche Rolle im Kampf gegen die Krankheit.

1. Was sind Therapeutika, und wie können sie bei der Behandlung von COVID-19 von Nutzen sein?

Therapeutika sind im Kontext von COVID-19 die Arzneimittel, die zur Behandlung von an der Krankheit leidenden Patienten angewandt werden und die zwei wesentlichen Zwecken dienen.

  • Manche dienen speziell zur Linderung der Symptome (z. B. Husten, Fieber, Kopfschmerzen) von Personen mit einem bereits schweren Verlauf von COVID-19.
  • Andere, etwa Antiviralia, sind für eine Verabreichung während der frühen Stadien der Krankheit konzipiert und sollen die Chancen des Virus auf Vervielfältigung reduzieren und so einen schweren Krankheitsverlauf bei besonders dafür anfälligen Personen verhindern. Bei rechtzeitiger Anwendung können diese Therapeutika die Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung senken und so zur Entlastung der Gesundheitssysteme beitragen.

 

2. Wie sicher und wirksam sind Therapeutika für die Behandlung von COVID-19-Patienten?

Alle neuen Medikamente durchlaufen vor ihrer Zulassung extrem strenge Tests in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit im Rahmen klinischer Studien. Gegenwärtig sind eine Vielzahl von randomisierten kontrollierten Studien im Gange, bei denen über einen bestimmten Zeitraum an einer kleinen Zahl ausgewählter Personen erforscht wird, wie diese Produkte wirken, bevor sie für eine breitere Anwendung in Frage kommen. Die Ergebnisse dieser Studien bestimmen dann unsere Empfehlungen in Bezug auf Fälle und Art ihrer Anwendung. Die Sicherheitsüberwachung wird auch dann noch fortgesetzt, wenn die nationalen Regulierungsbehörden für die neuen Arzneimittel schon eine Marktzulassung erteilt haben. So wird gewährleistet, dass auch seltene Nebenwirkungen erfasst werden.

3. Wie entscheidet die WHO über ihre Empfehlungen für Therapeutika?

Die Gruppe der WHO zur Ausarbeitung von Leitlinien (GDG), die aus einer Reihe von globalen Experten, Ersthelfern und Vertretern von Patientenverbänden besteht, tritt regelmäßig zusammen, um die Evidenz aus internationalen klinischen Studien zu prüfen. Sie entwickelt dann Leitlinien für die Praxis mit Empfehlungen für die Anwendung von Therapeutika zur Behandlung von Patienten mit COVID-19 unabhängig vom Schweregrad. Diese Leitlinien werden vor der Veröffentlichung einer fachlichen Begutachtung durch eine weitere Gruppe von Klinikern sowie den Prüfungsausschuss für Leitlinien unterzogen.

4. Welche Hauptarten von Therapeutika gibt es, und wie funktionieren sie?

Bei der Behandlung von COVID-19 kommen mehrere Arten von Therapeutika zum Einsatz.

  • Interleukin-6(IL-6)-Rezeptorblocker und Januskinase-Hemmer (JAK-Inhibitoren) sind monoklonale Antikörper (im Labor hergestellte identische Antikörpermoleküle), die die Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion bei Patienten mit schwerem oder lebensgefährlichem Verlauf kontrollieren und die zusammen mit Kortikosteroiden verabreicht werden.
  • Antiviralia sind Medikamente, die eine Vervielfältigung von Viren verhindern sollen und die wirken, wenn sie kurz nach Eintritt der Symptome und Bestätigung der Diagnose, d. h. innerhalb von fünf Tagen, verabreicht werden. Sie kommen primär bei Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zum Einsatz, etwa bei Patienten mit gewissen chronischen Vorerkrankungen.
  • Schließlich gibt es antivirale monoklonale Antikörper, die sich an das Virus anheften und es für das Immunsystem leicht erkennbar machen, sodass es inaktiviert werden kann. Sie sollen bei Personen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten von Symptomen gegeben werden, und speziell bei Personen, die aufgrund einer anderen Erkrankung oder Therapie wahrscheinlich nur schwach auf Impfstoffe ansprechen.

 

5. Welche Therapeutika gibt es aktuell auf dem Markt?

Manche Therapeutika, z. B. Kortikosteroide und IL-6-Rezeptorblocker, waren schon vor Beginn der Pandemie auf dem Markt und wurden für ein breites Spektrum anderer Krankheiten eingesetzt. Antivirale monoklonale Antikörper sind seit 2020 verfügbar und in einer Reihe von Ländern zum Verkauf zugelassen. Viele der aktuellen Therapeutika sind für spezielle Bevölkerungsgruppen gedacht und unterliegen oft besonderen Aufsichtsvorschriften, um mehr Informationen über ihre Sicherheit und Wirksamkeit zu erhalten, insbesondere im Hinblick auf Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder das Potenzial für die Entstehung resistenter Viren.

6. Sind die Therapeutika gegen die Omikron-Variante ebenso wirksam?

Manche antivirale monoklonale Antikörper sind weniger wirksam gegen Omikron, weil sie ursprünglich zur Bekämpfung der vorigen Varianten von COVID-19 entwickelt wurden. Antiviralia wirken mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gegen Omikron, auch wenn eine Beobachtung ihrer Wirksamkeit hier unverzichtbar ist. Entzündungshemmende Medikamente sind unabhängig davon, ob sie von Omikron oder von anderen Varianten von COVID-19 verursacht wurden, bei schweren und lebensgefährlichen Verläufen gleich wirksam.

7. Taugen Antiviralia als Alternative zu Impfstoffen?

Nein, Prävention ist immer besser als Heilung. Selbst wenn sie nachweislich sicher und wirksam sind, stellen solche Medikamente doch keine Alternative zu Impfstoffen dar. Die von der WHO zugelassenen Impfstoffe schützen die meisten Menschen vor schweren und tödlichen Krankheitsverläufen. Medikamente sind wichtige Instrumente, die erkrankten Personen helfen können, aber es ist immer noch besser, gar nicht erst krank zu werden: wegen der Gefahr eines schweren Verlaufs und der möglichen Langzeitfolgen.

8. Könnten Antiviralia zur Beendigung der Pandemie beitragen?

Antiviralia sind ein weiteres Werkzeug in unserem Werkzeugkasten für die Bekämpfung von SARS-CoV-2 und die Entlastung von Kommunen und Gesundheitssystemen in Bezug auf COVID-19. Aber Impfstoffe sind unsere wichtigste Waffe zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe. Und wie bei Impfstoffen ist es auch bei Therapeutika wichtig, dass sie nach ihrer Markteinführung ausgewogen verteilt werden, mit anderen Worten: sie sollten für alle Länder verfügbar und bezahlbar sein.

9. Wo würden Sie nach Informationen über Therapeutika suchen?

Es ist wichtig, Informationen aus zuverlässigen Quellen wie der WHO zu beziehen, die über das nötige Fachwissen und die neuesten Daten verfügen, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Therapeutika seriös zu beurteilen. Ein Link zu den neuesten Informationen über Therapeutika gegen COVID-19 ist nachstehend aufgeführt.

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