Umweltverschmutzung birgt das Risiko eines „schwarzen Tsunami“

Der Welttag für Tsunami-Aufklärung am 5. November ist eine Gelegenheit, auf das enorme Gesundheitsrisiko aufmerksam zu machen, das mit sogenannten „schwarzen Tsunamis“ einhergeht. Überlebende, die deren giftiges Wasser verschlucken, leiden oft unter schweren gesundheitlichen Problemen.

Tsunami-Wellen, die auf von industrieller Verschmutzung betroffene Küsten treffen, können aufgrund ihrer erhöhten Dichte und Viskosität sowohl hochgiftig als auch viel zerstörerischer sein, so Fumihiko Imamura, Professor für Tsunami-Technik an der Tohoku-Universität, wo er auch Direktor des Internationalen Forschungsinstituts für Katastrophenforschung ist (IRIDeS).

Acht Jahre nach dem Erdbeben und dem Tsunami der Stärke 9,1 – bei dem am 11. März 2011 mehr als 15.000 Menschen ums Leben kamen – haben Forscher eine Probe des Wassers untersucht, das ein Überlebender in der verwüsteten Stadt Kesennuma in der Präfektur Miyagi in einer Sake-Flasche gesammelt hatte.

Das populäre Bild der Tsunami-Wellen ist, dass es sich um klares Salzwasser handelt. Es war jedoch bereits aus Fernsehaufnahmen ersichtlich, dass dies beim Erdbeben von 2011 nicht der Fall war. Erst in diesem Jahr gelang es den Forschern, eine Probe des gesammelten Wassers zu analysieren.

Prof. Imamura erklärte: „Normale Tsunamis enthalten nur Salzwasser. Bei einem schwarzen Tsunami ist dies jedoch nicht der Fall. Bei der Untersuchung dieser Probe durch Professor Taro Arikawa, ein Spezialist für Hydraulik und Küsteningenieurwesen an der Chuo-Universität, wurde festgestellt, dass sie viel Schlamm, Sand und Schadstoffe enthält, einschließlich Blei und Quecksilber. Diese Stoffe sind für die Gesundheit derjenigen gefährlich, die sie verschlucken, während sie versuchen den Wellen zu entkommen.“

Die Analyse erkläre, warum viele Ärzte von Lungenproblemen und Krankheiten wie Lungenentzündungen bei Überlebenden berichteten.

„Die höhere Dichte und Viskosität dieser Art von Wasser macht die Front des Tsunamis größer, höher und turbulenter. Es wird geschätzt, dass ein solcher Tsunami drei- bis fünfmal zerstörerischer ist als ein normaler Tsunami “, sagte Prof. Imamura.

Die Verschmutzung der Ozeane, einschließlich der Einleitung von Rohabwasser entlang der stark industrialisierten Küsten, hat dem Tsunami-Risiko eine neue Dimension verliehen.

"Dass ein Tsunami, der auf ein Industriegebiet trifft, auf einen schwarzen Tsunami hinausläuft, ist eine sehr wichtige Erkenntnis", hob er hervor.

Die konservierte Wasserprobe wurde entdeckt, als Herr Katsuro Ueda, ein Tsunami-Überlebender aus Kesennuma, von NHK, dem japanischen Fernsehsender, interviewt wurde, der die Flasche anschließend für eine Expertenanalyse bereitstellte.

Große Teile von Kesennuma wurden durch den Tsunami 2011 zerstört. Mehr als 2.000 Menschen starben. Die städtische Fischereiflotte fing Feuer und brannte vier Tage lang aufgrund von verschüttetem Kraftstoff.

Eine uralte Tsunamisteintafel in der Stadt lautet: „Sei immer auf unerwartete Tsunamis vorbereitet. Wähle das Leben über deinen Besitz und deine Wertsachen.“

Fumihiko Imamura, Professor of Tsunami Engineering at Tohoko University

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