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WHO appelliert an Regierungen, für eine gesunde Europäische Region in Pflegekräfte zu investieren

Der zum Weltgesundheitstag veröffentlichte Weltweite Sachstandsbericht über das Pflegewesen 2020 enthält detaillierte Informationen über die größte Komponente des Gesundheitspersonals.

Der Bericht hat eine deutliche Botschaft: Die Regierungen sollten in eine verstärkte Ausbildung von Pflegekräften investieren, mehr Stellen für Pflegekräfte schaffen und die Führungskompetenz von Pflegekräften stärken. Ohne Pflegekräfte, Hebammen und andere Fachkräfte können die Länder den Kampf gegen Krankheitsausbrüche nicht gewinnen und auch nicht eine allgemeine Gesundheitsversorgung oder die Ziele für nachhaltige Entwicklung verwirklichen.

„Unser Kampf gegen die COVID-19-Pandemie hat erneut verdeutlicht, wie grundlegend wichtig die Pflegeberufe für die Gesellschaft und für uns alle sind. Unter diesen extrem außergewöhnlichen Umständen und den härtesten Arbeitsbedingungen haben Pflegekräfte in allen Teilen der Europäischen Region und weltweit die Herausforderung mit Mut, Mitgefühl und Professionalität angenommen. Zusammen mit allen anderen an vorderster Linie tätigen Gesundheitsfachkräften verdienen sie unsere tiefe Dankbarkeit und Achtung“, erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.

„Es ist an der Zeit, dass wir den Pflegeberufen die Anerkennung entgegenbringen, die sie verdienen. Am heutigen Weltgesundheitstag wie auch in Zukunft gilt: die Länder müssen in Pflegekräfte investieren und sie dabei unterstützen, ihre durch Ausbildung und Praxis erworbenen Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Dadurch erhalten unsere gut ausgebildeten und motivierten Pflegekräfte die Stärke und die Ressourcen, um eine gesündere Europäische Region zu schaffen“, fügte er hinzu.
Pflegekräfte machen weltweit mehr als die Hälfte des Gesundheitspersonals aus und erbringen lebenswichtige Leistungen in allen Teilen der Gesundheitssysteme. In der Europäischen Region der WHO stellen Pflegekräfte 57% des Gesundheitspersonals.

Ein weltweiter Mangel an Pflegekräften

Aus dem Weltweiten Sachstandsbericht über das Pflegewesen 2020, der von der WHO in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem International Council of Nurses (ICN) und Nursing Now erstellt wurde, geht hervor dass es heute weltweit knapp 28 Mio. Pflegekräfte gibt.

In der Europäischen Region gibt es 7,3 Mio. Pflegekräfte; das sind 79 Pflegekräfte je 10 000 Einwohner. Obwohl dies etwa doppelt so viel ist wie im weltweiten Durchschnitt, sind Experten der Ansicht, dass aufgrund der Altersstruktur des Pflegepersonals in der Europäischen Region und der umfangreichen Anwerbung von Pflegekräften im Ausland in einigen Ländern mit höherem Volkseinkommen kein Grund zur Untätigkeit besteht.

Etwa 90% aller Pflegekräfte sind Frauen, aber nur 25% aller Führungspositionen im Pflegewesen sind mit Frauen besetzt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Konzepten, die die Führungskompetenz von Pflegekräften stärken und eine höhere Beteiligung von Frauen auf der Führungsebene fördern.

Wenn Länder Pflegekräfte in die Lage versetzen, in Führungspositionen aufzusteigen, etwa durch Einrichtung der Position einer Obersten Beauftragten für das Pflegewesen und durch gezielte Förderprogramme, wirkt sich dies positiv auf die Regulierung von Ausbildung und Arbeitsbedingungen der Pflegeberufe aus.

Zehn Empfehlungen für die Stärkung der Pflegeberufe

Um der Welt die Pflegekräfte zu geben, die sie braucht, empfehlen die WHO und ihre Partnerorganisationen allen Ländern:

  1. die Mittel für die Ausbildung zu erhöhen und mehr Pflegekräfte einzustellen;
  2. die Fähigkeit zu erhöhen, Daten über das Gesundheitspersonal zu erheben und zu analysieren und auf dieser Grundlage zu handeln;
  3. die Mobilität und Migration von Pflegekräften zu beobachten und verantwortungsbewusst und nach ethischen Grundsätzen zu steuern;
  4. Pflegekräften die wissenschaftlichen, technologischen und soziologischen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die sie zur Herbeiführung von Verbesserungen in der primären Gesundheitsversorgung benötigen;
  5. Führungspositionen einzurichten, namentlich die einer Obersten Beauftragten für das Pflegewesen, und bei jüngeren Pflegekräften die Förderung von Führungskompetenz voranzutreiben;
  6. dafür zu sorgen, dass Pflegekräfte in Teams der primären Gesundheitsversorgung ihr Potenzial voll ausschöpfen können, etwa im Hinblick auf Prävention und Bewältigung nichtübertragbarer Krankheiten;
  7. die Arbeitsbedingungen zu verbessern, vor allem durch eine sichere Personalausstattung, gerechte Entlohnung und die Einhaltung von Vorschriften für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz;
  8. geschlechtersensible Personalkonzepte im Pflegewesen einzuführen;
  9. durch Vereinheitlichung der Normen für Ausbildung und Praxis und durch Einführung von Systemen, die die Anerkennung und Berücksichtigung der Qualifikationen von Pflegekräften weltweit ermöglichen, die Regulierung der Pflegeberufe zu modernisieren; und
  10. die Rolle von Pflegekräften in Betreuungsteams zu stärken, indem verschiedene Politikbereiche (Gesundheit, Bildung, Migration, Finanzen und Arbeit) mit den Interessengruppen im Pflegewesen für einen Politikdialog und zum Zwecke der Personalplanung an einen Tisch gebracht werden.

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