UNFCCC Exekutivsekretärin Patricia Espinosa

UN-Klimachefin Espinosa: „Die Coronakrise ist eine Chance für ein Umdenken“

In einem Interview des Spiegel hat die Exekutivsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), Patricia Espinosa, ihre Befürchtung ausgesprochen, dass Staaten aufgrund der Covid-19-Pandemie die Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens nicht einhalten könnten.

Durch die Krise ist der Klimaschutz in den Hintergrund gerückt. Geplante Zusammenkünfte, um das Thema anzugehen, wurden abgesagt oder finden virtuell statt. Der für November geplante Klimagipfel COP26 musste verschoben werden.

„Ich kann leider nicht ausschließen, dass die Bereitschaft der Staaten, in der Klimakrise zu handeln, durch die jetzige Krise in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber der Klimawandel wird nicht langsamer, weil wir die Klimakonferenz wegen der Coronakrise auf nächstes Jahr verschieben. Der Klimawandel geht durch Corona nicht einfach weg“, sagte Espinosa.

Wie sie betonte, sei die Ausbreitung von Covid-19 ferner eine Gelegenheit, über die potenziellen Ausmaße anderer Krisen nachzudenken: „Corona zeigt, wie stark uns eine globale Krise als Weltgemeinschaft treffen kann. Wir bekommen eine Vorstellung davon, was der Klimawandel als globale Krise in den nächsten Jahrzehnten zerstören könnte. Das sollte uns wachrütteln.“

Dass Maßnahmen gegen Covid-19 derzeit an erster Stelle stünden, sei klar. Espinosa hob aber hervor, dass der Klimaschutz Teil der Lösung sein sollte: „Wir müssen den Ländern jetzt zeigen, dass es nicht um ein „entweder Corona oder Klima“ geht. Im Gegenteil: Der Klimaschutz und Investitionen in grüne Technologien könnten vielen Ländern auf längere Sicht dabei helfen, ihre Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.“

„Das ist die Chance für ein Umdenken“, so Espinosa, auch wenn es um unseren Konsum geht. „Die Art von Hyperkonsum, den wir vor der Krise hatten, tut niemandem gut – weder dem Klima noch den Menschen. Wir sollten die Krise als Chance begreifen, jetzt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Staaten einen Vorteil haben, die in CO2-sparende Technologien investieren. Auch viele Investoren denken bereits um – und das aus wirtschaftlichen, nicht aus klimapolitischen Überlegungen.“

„Bereits vor der Krise war klar, dass Investitionen in fossile Energien keine Zukunft haben“, fuhr sie fort. „Es macht einfach keinen Sinn, sein Geld in Technologien anzulegen, die den Planeten zerstören.“

2020 dürfe kein Jahr werden, in dem aufgrund der Coronakrise die Klimakrise in Vergessenheit gerate. „Je länger wir warten, desto heftiger werden uns die Folgen treffen,“ betonte Espinosa.

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