Cardiovascular Disease

Neuer Bericht der WHO verdeutlicht: Bevölkerungsweite Reihenuntersuchungen auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirken keine Senkung der Mortalität

Bevölkerungsweite Reihenuntersuchungen auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirken keine Senkung der Morbidität und Mortalität aufgrund dieser Erkrankungen; so lautet das Fazit eines vor kurzem veröffentlichten Berichts des Health Evidence Network (HEN) der WHO. Zur Senkung der Risiken in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auch mit ungünstigeren Resultaten in Verbindung mit COVID-19 assoziiert sind, enthält der Bericht Vorschläge mit Handlungsalternativen für politische Entscheidungsträger in der Europäischen Region der WHO.

Mit geschätzt 17 Mio. Todesfällen pro Jahr sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die weltweit häufigste Todesursache. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einschlägigen Risikofaktoren wie Bluthochdruck anfälliger für COVID-19 sind und ein höheres Risiko in Bezug auf schwere Krankheitsverläufe tragen. Es besteht eine dringende Notwendigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam zu bekämpfen und die gesundheitliche und wirtschaftliche Krankheitslast in der Europäischen Region zu senken.

Aktueller Kenntnisstand über Screening auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Um die Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bestimmen und zu senken, führen einige Länder der Europäischen Region in der Bevölkerung Screenings auf deren Risikofaktoren durch. Doch ein neuer Bericht des beim WHO-Regionalbüro für Europa angesiedelten HEN, in dem mehrere hochwertige randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet wurden, kam zu dem Ergebnis, dass bevölkerungsweite Reihenuntersuchungen auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen keine entsprechende Senkung der Morbidität und Mortalität bewirken.

Erkenntnisse aus der Europäischen Region deuten auch darauf hin, dass Reihenuntersuchungen auf präklinische Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwar gewisse Auswirkungen auf die Reduzierung von Mortalität und negativen Resultaten bei Abdominal-Aortenaneurysma (AAA) haben, dass diese Erkenntnisse jedoch aufgrund von veränderten Risikofaktoren in der Bevölkerung und Verbesserungen in der Behandlung nicht mehr relevant sind.

Laut dem Bericht des HEN müssen noch die Ergebnisse von laufenden Forschungsarbeiten abgewartet werden, bevor Empfehlungen über die Durchführung von Screeningprogrammen auf andere präklinische Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern abgegeben werden können.

Wie sich die Wirksamkeit von Screenings erhöhen lässt: Grundsatzüberlegungen der WHO

Aufgrund der Ergebnisse des HEN-Berichts bieten sich für die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region folgende Grundsatzüberlegungen an:

  • Überprüfung der vorhandenen systematischen bevölkerungsweiten Screeningprogramme in Bezug auf Risiken sowie konkrete Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vermeidung der Einführung neuer analoger Programme und Prüfung von Alternativen zur Erreichung der erwünschten Ergebnisse bei der Senkung der Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen;
  • Neubewertung laufender systematischer bevölkerungsweiter Screenings auf AAA unter Berücksichtigung der Veränderungen bei Risikofaktoren sowie der Verbesserungen in der Behandlung;
  • Abwarten der Ergebnisse laufender hochwertiger Studien über die Wirksamkeit von Reihenuntersuchungen auf andere präklinische Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor einer Prüfung der Einführung solcher Programme.

Auch wenn die Erkenntnisse eher gegen die Wirksamkeit von Screenings auf Bevölkerungsebene sprechen, so dürfen Politiker doch nicht den potenziellen Wert von Fallermittlung verkennen, was die Bewertung von Patienten mit einem potenziellen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zuge ihrer Inanspruchnahme des Gesundheitswesens voraussetzt. Eine systematische Reihenuntersuchung kann ein isoliertes Programm sein, bei dem die Bevölkerung zur Teilnahme aufgefordert wird; dagegen ist die Fallermittlung jeweils ins Gesundheitssystem integriert und basiert auf der Inanspruchnahme des Systems durch Einzelpersonen.

Die Zurückdrängung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist für die Europäische Region und weltweit weiter eine wichtige Aufgabe. Ein wirksames Präventionsprogramm für Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst eine Vielzahl steuerlicher und anderer politischer Strategien (Eindämmung des Tabakkonsums, Salzreduktion, Eliminierung von Transfetten) sowie die Bekämpfung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung, was sich durch von der WHO empfohlene Instrumente wirksam unterstützen lässt.

Das Health Evidence Network: Katalysator für den Auftrag der WHO zur Gewinnung von Erkenntnissen

Der zusammenfassende Bericht des HEN ist Teil einer Initiative der WHO zur Verbesserung der Wirksamkeit von Screenings, zur Maximierung von Nutzen und zur Minimierung von Schäden, die darauf abzielt, die Wirksamkeit systematischer Reihenuntersuchungen auf Bevölkerungsebene im Hinblick auf die Senkung der Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erforschen.

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