Blasius' Horseshoe Bat (Rhinolophus blasii) © Mounir Abi-Said, Lebanon

Fledermäuse brauchen unseren Schutz mehr denn je

Während die Bemühungen verstärkt werden, die weitere Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern, gibt es alarmierende Berichte, dass einige Gemeinden und Regierungen den falschen Feind ins Visier nehmen: Fledermäuse.  

Das Töten von Fledermäusen wird COVID-19 nicht nur nicht aufhalten, es könnte diesen Säugetieren auch irreparablen Schaden zufügen. Fledermäuse stellen in ihrer natürlichen Umgebung keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar und bieten zudem enorme Vorteile wie Bestäubung, Samenverbreitung und Schädlingsbekämpfung.  

COVID-19 wird nicht von Fledermäusen sondern von Mensch zu Mensch übertragen. Virologen sind sich völlig einig, dass die Ausbreitung des Virus auf Kontakte von Mensch zu Mensch als von Tier zu Mensch zurückzuführen ist. Darüber hinaus gibt es keine Hinweise, dass Fledermäuse Menschen mit COVID-19 infiziert haben. Ungenaue Berichte, die etwas anderes vermuten lassen, könnten zur unklugen Tötung von Fledermäusen beitragen.  

Wissenschaftliche Untersuchungen über die genaue Herkunft von COVID-19 sind noch nicht abgeschlossen. Es besteht Konsens darüber, dass COVID-19 zu einer Klasse von "zoonotischen" Krankheiten gehört – Krankheiten, die zunächst von Tieren auf Menschen übertragen werden. Es ist jedoch wichtig zu wissen, wie und warum das Virus aufgetreten ist, damit in Zukunft die richtigen Präventivmaßnahmen ergriffen werden können.  

Ein Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf dem so genannten „nassen Markt" in Wuhan, China. Dort werden lebende Tiere wie Schweine, Geflügel und Meeresfrüchte – sowie viele Arten von Wildtieren – verkauft. Rodrigo Medellin, der im wissenschaftlichen Rat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS) tätig und Vorsitzender der IUCN-Fledermaus-Spezialistengruppe ist, fordert eine Bewertung der Risiken des Handels mit lebenden und toten Tierexemplaren auf solchen Märkten. Man geht davon aus, dass dort Bedingungen herrschen, die das Übergreifen von Viren zwischen verschiedenen Tierarten begünstigen und letztlich zu einer Mutation führen, die vom Menschen getragen und übertragen wird, wie dies bei COVID-19 der Fall ist.  

Zoonotische Krankheiten machen etwa 60% aller bekannten Infektionskrankheiten beim Menschen aus. Während einige zoonotische Krankheiten mit Viren in Fledermäusen in Verbindung gebracht wurden, sind Fledermäuse selbst nicht das Problem. Wie auch andere Lebewesen beherbergen Fledermäuse lediglich Viren. Es gibt Millionen von Viren auf der Welt, von denen die meisten von Nutzen sind. Die Ursache zoonotischer Krankheiten beim Menschen liegt nicht in der Existenz von Viren bei Wildtieren, sondern in der Art der menschlichen Interaktionen mit Wildtieren, die zu diesen Übertragungen führen können.  

Weltweit leben etwa 1.400 Fledermausarten in freier Wildbahn. Viele haben sich an die städtische Umgebung angepasst und leben in Hinterhöfen, städtischen Parks und sogar unter Brücken, ohne die geringste Bedrohung für ihre menschlichen Nachbarn darzustellen. Doch mit der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums und jahrhundertelangen negativen Assoziationen, Aberglauben, Mythen und Legenden sind viele Fledermausarten vom Aussterben bedroht. Dutzende von Fledermausarten sind durch das Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten geschützt, insbesondere durch ein spezielles Abkommen, das die meisten europäischen Länder abdeckt und als EUROBATS bekannt ist. Es muss jedoch noch viel getan werden, um das Überleben der Fledermäuse auf der ganzen Welt zu sichern.    

Die dringendste Maßnahme zur Bekämpfung von COVID-19 besteht darin, seine Übertragung von Mensch zu Mensch zu stoppen. Langfristig müssen wir spezifische menschliche Praktiken und Nutzungen von Wildtieren sowie die weit verbreitete Zerstörung natürlicher Lebensräume untersuchen und stoppen, um ein ähnliche schreckliche Pandemien zu verhindern.

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