COVID-19

Die Omikron-Variante: Fakten von Mythen trennen

Seitdem die Variante B.1.1.529 am 26. November 2021 zu einer besorgniserregenden Variante erklärt und ihr der Name „Omikron“ zugewiesen wurde, hat sich unser Wissen über diese Variante dank globaler Forschungszusammenarbeit mit der Zeit erheblich erweitert und uns in die Lage versetzt, die Verhaltensweisen der Variante und ihre Auswirkungen auf Menschen und Gemeinschaften in den letzten Wochen genau zu beobachten.

Bedauerlicherweise gibt es aufgrund von Wissenslücken bezüglich Omikron sehr viel Spekulation und es kursiert eine Vielzahl von Mutmaßungen und Falschinformationen zu dieser Variante, was es Menschen und Behörden erschwert, fundierte Entscheidungen zum Schutz der Gesundheit zu treffen.

Die jüngsten epidemiologischen Daten zeigen, dass wir mittlerweile einen rapiden Anstieg der COVID-19-Infektionsraten in der Europäischen Region der WHO verzeichnen, und zwar im Wesentlichen bedingt durch die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante. Um dies zu verdeutlichen: im September 2021 verzeichneten wir über 1 Mio. neue COVID-19-Fälle pro Woche, doch in der ersten Januarwoche 2022 war diese Zahl auf über 7 Mio. gemeldeter Fälle innerhalb einer einzigen Woche gestiegen.

Anhand der Verfolgung von Inhalten in Medien und sozialen Medien und Suchbegriffen in gebräuchlichen Suchmaschinen sowie durch eine Zusammenarbeit mit Faktencheckern sind wir in der Lage, mit einigen der Mythen, die rund um Omikron kursieren, aufzuräumen und die tatsächlichen Fakten näher zu erläutern.

Fakt: Omikron scheint einen leichteren Krankheitsverlauf zu verursachen als die Delta-Variante, doch sollte sie dennoch nicht als milde Variante angesehen werden.

Mythos: Omikron verursacht ausschließlich milde Krankheitsverläufe.

Es ist wichtig, dass wir bei der Beurteilung der Schwere und der möglichen Auswirkungen von Omikron nicht vorgreifen.

Eine Reihe von Ländern haben beobachtet, dass Infektionen mit Omikron in ihrer Bevölkerung weniger schwer verlaufen als bei Delta. Doch ist zu bedenken, dass diese Auswirkungen von Omikron in erster Linie in Ländern der Europäischen Region beobachtet wurden, die hohe Impfraten aufweisen: die vergleichsweise geringere Zahl an Krankenhauseinweisungen und Todesfällen ist, insbesondere in gefährdeten Bevölkerungsgruppen, bislang zum großen Teil den Impfungen zu verdanken. Ohne die Impfstoffe wären wahrscheinlich deutlich mehr Menschen im Krankenhaus. Es lässt sich noch nicht sagen, welche Auswirkungen Omikron in Ländern mit geringeren Impfraten und für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen haben wird.

Fakt: Omikron stellt nach wie vor ein hohes Risiko für unsere Gesundheitssysteme dar.

Mythos: Da Omikron leichtere Krankheitsverläufe verursacht, werden wir geringere Hospitalisierungsraten verzeichnen und unsere Gesundheitssysteme werden in der Lage sein, die Welle gut zu verkraften.

Das von Omikron ausgehende Gesamtrisiko ist aus mehreren Gründen nach wie vor sehr hoch. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass Omikron im Vergleich zu Delta einen noch höheren Wachstumsvorteil aufweist. Auch wenn eine Infektion mit Omikron milder ausfällt als eine mit Delta, wird der rasche Anstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Hospitalisierungsraten führen und die Gesundheitssysteme durch die gleichzeitige Behandlung von COVID-19-Patienten und Patienten mit anderen Erkrankungen weiter belasten.

Fakt: Impfstoffe bieten den bestmöglichen Schutz vor Omikron.

Mythos: Die Impfstoffe wirken gegen Omikron nicht.

Die Impfungen bieten voraussichtlich einen wichtigen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und Tod infolge von Omikron, ebenso wie bei den anderen Varianten, die nach wie vor zirkulieren. Bislang ist die vergleichsweise niedrigere Zahl an Krankenhauseinweisungen und Todesfällen aufgrund von Omikron zu großen Teilen darauf zurückzuführen, dass so viele Menschen in unserer Region bereits gegen COVID-19 geimpft sind. Eine Impfung verursacht im Körper eine Immunantwort auf das Virus, was uns nicht nur vor den derzeit zirkulierenden Varianten – einschließlich Omikron – schützt, sondern aller Voraussicht nach auch vor einem schweren Krankheitsverlauf infolge künftiger Mutationen von COVID-19.

Fakt: Ungeimpfte Menschen sind durch Omikron am stärksten gefährdet.

Mythos: Ungeimpfte Menschen werden infolge einer Omikron-Infektion nicht schwer erkranken.

Es ist wirklich nicht ratsam, bei Omikron einfach die Daumen zu drücken und auf das Beste zu hoffen, denn die Variante wird die noch Ungeimpften ausfindig machen. Die schiere Anzahl an COVID-19-Neuinfektionen führt bereits jetzt zu höheren Hospitalisierungsraten in Ländern, in denen sich Omikron zur dominanten Variante entwickelt hat, wobei die meisten COVID-19-Patienten in den Krankenhäusern ungeimpft sind. Wo keine Maßnahmen ergriffen werden, um die Übertragung von COVID-19 einzudämmen, wird sich Omikron mit beispielloser Geschwindigkeit ausbreiten, und genauso, wie es schon bei der Delta-Welle der Fall war, wird es die Ungeimpften am stärksten treffen. Unsere wichtigste Empfehlung ist daher nach wie vor: Lassen Sie sich impfen, sobald Sie an der Reihe sind, und nutzen Sie auch das Angebot von Auffrischungsimpfungen.

Fakt: Omikron ist sehr viel gefährlicher als eine gewöhnliche Erkältung.

Mythos: Omikron ist wie eine gewöhnliche Erkältung.

Omikron ist keinesfalls mit einer gewöhnlichen Erkältung zu vergleichen, da die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus eingeliefert werden zu müssen, bei einer Infektion mit Omikron deutlich höher ist als bei einer Erkältung. Es gibt durchaus Menschen, die nach einer Infektion mit Omikron ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, und einige Menschen sind an dieser Variante auch bereits gestorben. Darüber hinaus wird erwartet, dass auch bei Menschen, die sich mit Omikron infiziert haben und von der Erkrankung genesen, das Risiko von Langzeitfolgen (auch als „Long COVID“ bezeichnet) besteht.

Fakt: Auch Menschen, die sich bereits einmal mit COVID-19 infiziert haben, können sich mit Omikron erneut infizieren.

Mythos: Eine frühere Infektion verschafft Immunität gegen Omikron.

Auch wenn Sie sich bereits in der Vergangenheit mit COVID-19 infiziert haben, sollten Sie sich impfen lassen, da eine erneute Infektion mit Omikron durchaus möglich ist und das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs, der Übertragung des Virus auf andere bzw. der Entwicklung von Langzeitfolgen („Long COVID“) besteht. Die beste Möglichkeit, um sich selbst und andere vor einem schweren Krankheitsverlauf, einer Einweisung ins Krankenhaus und dem möglichen Tod aufgrund des Virus zu schützen, ist, unabhängig von einer früheren COVID-19-Infektion, sich vollständig gegen das Virus impfen zu lassen.

Fakt: Auffrischungsimpfungen bieten einen höheren Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf infolge von Omikron und allen anderen COVID-19-Varianten.

Mythos: Auffrischungsimpfungen bieten keinen wirksamen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf infolge von Omikron.

Die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe nimmt, wie bei vielen anderen Impfstoffen (einschließlich der Grippeimpfung) auch, mit der Zeit ab. Wenn Ihnen also eine Auffrischungsimpfung angeboten wird, sollten Sie dieses Angebot nutzen. Damit erhöhen Sie Ihren Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf aufgrund von Omikron und anderen COVID-19-Varianten. Dieser Ratschlag ist besonders wichtig für Menschen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie etwa Über-60-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen, die am stärksten gefährdet sind, infolge einer Infektion schwer zu erkranken. Auch Gesundheitsfachkräfte sollten sich aufgrund ihres hohen Expositionsrisikos und der Gefahr einer Weiterübertragung des Virus auf gefährdete Patienten eine Auffrischungsimpfung geben lassen.

Fakt: Schutzmasken bieten einen wirksamen Schutz und tragen dazu bei, die Infektionsraten und die Ausbreitung von Omikron zu verringern.

Mythos: Schutzmasken sind gegen Omikron nutzlos, da sie das Virus durchlassen.

Aufgrund der bislang vorliegenden Erkenntnisse sind alle Schutzmaßnahmen, die gegen die Delta-Variante wirksam waren, auch gegen Omikron nach wie vor wirksam – und hierzu zählt auch das Tragen von Schutzmasken. Omikron breitet sich so rasant aus, dass neben Impfungen auch alle anderen Schutzmaßnahmen – wie das Tragen von Schutzmasken, regelmäßiges Händewaschen, physische Distanzwahrung zu anderen, das Meiden von geschlossenen, beengten oder überfüllten Räumlichkeiten, Husten oder Niesen in den gebeugten Ellenbogen oder ein Taschentuch und eine gute Belüftung – nach wie vor erforderlich sind, um die Infektionswelle einzudämmen und Gesundheitsfachkräfte und Gesundheitssysteme zu schützen.

Fakt: Das Ende der Pandemie ist noch nicht in Sicht.

Mythos: Da Omikron mit milderen Krankheitsverläufen einhergeht, nähern wir uns dem Ende der Pandemie.

Es ist wichtig anzuerkennen, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, bis wir das Ende der Pandemie erreichen. Auch wenn gegenwärtig in allen Teilen der Europäischen Region insgesamt geringere Hospitalisierungsraten und weniger Todesfälle verzeichnet werden, haben wir es mit einem enormen Anstieg an COVID-19-Fällen zu tun. Und auch wenn Omikron in der Region rasch an Boden gut macht, wird die Mehrzahl der aktuellen COVID 19-Fälle nach wie vor von der Delta-Variante verursacht, die bekanntermaßen mit schweren Krankheitsverläufen und Tod einhergehen kann.

In jenen Ländern, in denen Omikron sich langsam zur dominanten Variante entwickelt oder in denen dies bereits der Fall ist, ist alle 1,5 bis 3 Tage eine Verdopplung der COVID-19-Fallzahlen zu beobachten, was wiederum zu einem rapiden Anstieg der Hospitalisierungsraten führt.

Daher können wir es uns nicht leisten, in unserer Wachsamkeit nachzulassen. Unabhängig von Wohnort oder Alter sollte man sich weiterhin vollständig impfen lassen, sobald man an der Reihe ist, und auch das Angebot von Auffrischungsimpfungen nutzen, und nach wie vor alle anderen vorhandenen Schutzmaßnahmen ergreifen, um sich selbst und andere zu schützen.

Um die Pandemie zu beenden, müssen wir in den wichtigsten Zielgruppen in der Region und darüber hinaus deutlich höhere Impfraten erzielen. Dabei geht es um Chancengerechtigkeit bei Impfstoffen sowohl zwischen Ländern als auch innerhalb von Ländern, und dies muss auch beinhalten, vorrangig alle besonders gefährdeten Menschen und das Gesundheitspersonal zu impfen.

Ferner schüren Falschinformationen und Desinformation das Misstrauen. Dadurch werden Gesundheit und Menschenleben gefährdet, das Vertrauen in die Wissenschaft, in Institutionen und in die Gesundheitssysteme untergraben und eine wirksame Reaktion auf die Pandemie behindert. Wenn Falschinformationen und Desinformation mit evidenzbasierter Wissenschaft kollidieren, wird eine weitere Person daran gehindert, die richtigen Entscheidungen zum Schutz ihrer Gesundheit zu treffen.

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