Die Beweise sind eindeutig: Veränderungen sind dringend notwendig, um die Naturkrise und den Schutz der menschlichen Lebensqualität zu bewältigen

Die Bekämpfung der Ursachen für den Niedergang der Natur reicht nicht aus, um die Auflösung des Lebensgefüges, von dem die Menschheit abhängt, zu verhindern. Es ist ein dringender Wandel erforderlich, der die Ursachen für den Verfall der Natur angeht, sowie die Werte und Verhaltensweise der Menschen, die ihnen zugrundeliegen. Zu diesem Schluss kamen führende Biodiversitätsexperten - Kernautoren des IPBES-Globalbewertungsbericht für Biodiversität und Ökosystemdienstleistung - in einem diese Woche in der Zeitschrift Science veröffentlichten Artikel.

"Dringende Maßnahmen gegen Veränderungen der Land- und Meeresnutzung, die Ausbeutung von Organismen, den Klimawandel, die Umweltverschmutzung und gebietsfremde invasive Arten sind wichtig - aber nicht weitreichend genug", sagte Prof. Sandra Díaz, Hauptautorin des neuen Aufsatzes und Co-Vorsitzende des IPBES-Globalbewertungsbericht. "Die Herausforderungen, die durch den Verlust der biologischen Vielfalt und den Klimawandel entstehen, sind eng miteinander verbunden und müssen auf allen Ebenen ganzheitlich angegangen werden. Eine nachhaltige globale Zukunft ist nur möglich, wenn die miteinander verbundenen wirtschaftlichen, sozio-kulturellen, demographischen, politischen, institutionellen und technologischen indirekten Triebkräfte für die Verschlechterung der Natur durch dringende Veränderungen angegangen werden".

Der neue Artikel hebt die wichtigsten und neuartigsten Erkenntnisse, Botschaften und politischen Optionen des Berichts für die wissenschaftliche Gemeinschaft hervor. Er stellt fünf vorrangige Eingriffe ("Hebel") und acht Hebelpunkte für Maßnahmen heraus, um die indirekten Triebkräfte der sozialen und wirtschaftlichen Systeme dort anzusprechen, wo sie die größte Veränderung bewirken können.

Die IPBES-Vorsitzende Ana Maria Hernandez sprach über die Auswirkungen des Bewertungsberichts: "Die Welt ist sich heute mehr denn je der verheerenden Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Natur bewusst, aber auch der gravierenden Abnahme der Fähigkeit der Natur, die Menschen und ihr Wohlergehen zu unterstützen. Die Stärke des Berichts liegt in der Vollständigkeit seiner Beweise und in der Einstimmigkeit, mit der die Regierungen seine Ergebnisse akzeptiert haben. Dieser neue Artikel macht noch deutlicher, dass wir einen tiefgreifenden, systemweiten Wandel brauchen und dass dies dringende Maßnahmen von Politik, Wirtschaft, Gemeinden und jedem Einzelnen erfordert. Niemand kann sagen, dass er es nicht wusste."

Zu den wichtigsten Ergebnissen des IPBES Global Assessment Report gehört die Bedrohung des Aussterbens einer Million Pflanzen- und Tierarten innerhalb weniger Jahrzehnte; fast drei Viertel der Land- und 66% der Meeresumwelt wurden durch die Menschheit erheblich verändert. Der Artikel betont auch den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Zahl der wildlebenden Arten, die verringerte Ausdehnung der Ökosysteme und dem Rückgang der Integrität der Ökosysteme. Viele große, langsam wachsende, auf Lebensräume spezialisierte oder fleischfressende Arten - wie z.B. Großkatzen, Primaten, riffbildende Korallen - gehen rapide zurück.  

Die Verfügbarkeit materieller Beiträge aus der Natur wurde gestärkt, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten. Seit den 1970er Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch um 45% gestiegen, die globale Wirtschaftstätigkeit hat um mehr als 300% zugenommen. Allerdings sind die Vorteile der expandierenden Weltwirtschaft und die Kosten des abnehmenden Nutzens der Natur ungleich verteilt. Diese Trends gefährden 80 % der Ziele im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die Gesellschaft hat zwar reagiert, aber koordinierte und robuste internationale Maßnahmen sind erforderlich.    

Die Vertragsparteien des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt (CBD) haben beschlossen, dass der IPBES-Globalbewertungsbericht die wissenschaftliche und technische Beweisgrundlage für die zwischenstaatlichen Verhandlungen im Jahr 2020 bilden wird, um sich auf einen globalen Rahmen für die biologische Vielfalt für das nächste Jahrzehnt zu einigen.

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