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COVID-19 führt die entscheidende Bedeutung der Patientenrehabilitation vor Augen

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Medizin und Pflegewesen steht das für Therapieangebote zuständige Team des Royal Free London NHS Foundation Trust im Zentrum von London bei der Versorgung von Patienten mit COVID-19 an vorderster Front.

Die COVID-19-Pandemie überfordert die Gesundheitssysteme vieler Länder in der gesamten Europäischen Region der WHO unabhängig vom jeweiligen Volkseinkommen. Das Gesundheitspersonal vor Ort, darunter auch die für die Rehabilitation zuständigen Fachkräfte, stehen bei den Gegenmaßnahmen an vorderster Front, und wie bei vielen Gesundheitsfachkräften mit direktem Patientenkontakt gibt es auch unter ihnen Fälle, in denen ihre Arbeit im Kampf gegen COVID-19 sie traurigerweise das Leben gekostet hat.

„Für COVID-19-Patienten besteht die Priorität in der Atemphysiotherapie zunächst darin, die Atemwege offen und frei von Auswurf zu halten, um zu gewährleisten, dass genügend Sauerstoff in die Lunge gelangt. Dieser Schutz ist von entscheidender Bedeutung, um zu verhindern, dass Patienten auf Beatmung angewiesen sind und sich ihr Zustand verschlechtert“, erklärt Suzanne Murray, Leiterin des für die Rehabilitationsangebote in der Intensivpflege zuständigen Teams beim Royal Free London NHS Foundation Trust. Um die Verfügbarkeit dieser Angebote jederzeit bedarfsgerecht gewährleisten zu können, stehen die Atemphysiotherapeuten 24 Stunden am Tag an 7 Tagen die Woche für Notfallbehandlungen auf Abruf bereit.

Zunehmender Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen

Weltweit gibt es einen erheblichen und kontinuierlich zunehmenden ungedeckten Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen, insbesondere in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Volkseinkommen. Dieser ungedeckte Bedarf wurde durch die Pandemie noch verschärft, zum einen da viele Angebote eingestellt wurden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, zum anderen aufgrund des herrschenden Personalmangels, insbesondere an Orten, die bereits zuvor mit einer schlechten Versorgung mit und einem schlechten Zugang zu entsprechenden Angeboten zu kämpfen hatten. Das WHO-Regionalbüro für Europa entwickelt derzeit Leitlinien, um in der Rehabilitation tätige Fachkräfte während der Pandemie zu unterstützen und zu beraten.

Für allgemeine Rehabilitationsangebote wurden neue Prioritäten festgelegt, um das Risiko einer Exposition gegenüber COVID-19 für Patienten und Personal zu reduzieren und gleichzeitig zu gewährleisten, dass während dieser außergewöhnlichen Zeit für Versorgung und Sicherheit die höchsten Standards gelten. Im Vorgriff auf den zunehmenden Bedarf an entsprechenden Therapieangeboten aufgrund der steigenden Zahl an COVID-19-Patienten, die einer Therapie bedürfen, wurden Maßnahmen zum Kapazitätsausbau ergriffen. So wurden etwa unwesentliche Tätigkeiten eingestellt und bereichsübergreifende Teamarbeit sowie eine offene, regelmäßige Kommunikation zwischen Teams und Teamleitern in den Vordergrund gerückt.

Stärke und Durchhaltevermögen der Patienten verbessern

Zusätzlich werden die Rehabilitationstherapeuten umfassend in Infektionsschutzmaßnahmen für COVID-19 geschult und sind angehalten, sich über aktuelle evidenzbasierte klinische Praktiken zu informieren. „Aufgrund der Beschaffenheit unserer klinischen Tätigkeit gehen wir davon aus, dass Atemphysiotherapie und funktionelle Rehabilitation bei der Bewältigung dieser Krise eine wichtige Rolle spielen werden“, erklärt Frau Murray.

Für Patienten, denen es über längere Zeit sehr schlecht geht und die sich kaum bewegen können, etwa Patienten in der Intensivversorgung, sind neben der Atemphysiotherapie zusätzliche therapeutische Interventionen erforderlich. Es bedarf Dehnungs- und Kräftigungsübungen, um zu verhindern, dass die Patienten Gelenkversteifungen und Muskelschwächen entwickeln, die ihre Genesung und die Entlassung nach Hause verzögern würden.

„Wir sehen, dass schwerkranke Patienten sehr rasch und sehr deutlich körperlich geschwächt sind, daher erweisen sich entsprechende therapeutische Maßnahmen hier als entscheidend“, erklärt Frau Murray. Zu Beginn ihrer Rehabilitation benötigen Patienten oft Hilfe bei den grundlegendsten therapeutischen Aktivitäten. So brauchen sie etwa die physische Hilfe zweier Therapeuten, um nur für ein paar Minuten aufrecht zu sitzen oder um zu versuchen aufzustehen und sich dabei auf ein Hilfsmittel zu stützen.

Mit Besserung der Atemwegsbeschwerden und nachdem sie nicht länger auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind, legt die funktionelle Rehabilitation unter Einsatz des gesamten multidisziplinären Therapieteams zunehmend an Dynamik zu. Zu einem solchen Team zählen beispielsweise Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und Sprachtherapeuten sowie Diätologen. Ziel ist es, die Patienten zu ihrer vorherigen körperlichen Leistungsfähigkeit zurückzuführen, damit sie wieder unabhängig sein können. Dieser Prozess kann Wochen oder sogar Monate dauern.

Mit dem Fortschreiten der Pandemie wird die Belastung im Bereich der Rehabilitationstherapie mit der Zahl der überlebenden Patienten voraussichtlich ansteigen. Ihnen allen steht eine lange Genesungs- und Rehabilitationsphase bevor. Einige Patienten benötigen möglicherweise Hilfsmittel wie eine Gehhilfe, um kurz vor ihrer Entlassung langsam wieder in der Lage zu sein, funktionellere Aufgaben, wie die eigene Körperpflege, zu erfüllen.

„Für viele dieser Patienten wird die Rehabilitation zur Wiederherstellung ihrer körperlichen Funktionen und ihrer Unabhängigkeit sich auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fortsetzen, mit der gemeinsamen Unterstützung von Sozial-, Gemeinde- und Rehabilitationsdiensten“, erklärt Frau Murray.

Während dieser herausfordernden Zeit ist das Wohlbefinden des Personals eine der wichtigsten Prioritäten, damit sie ihre wichtige Arbeit in der Behandlung der Patienten fortsetzen können. So wurden für das Personal Verfahren zur Prävention und Bekämpfung von Infektionen zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz ihrer Familien eingeführt, und sie wurden aufgefordert, sofort zu melden und zu handeln, falls sie sich nicht wohl fühlen. „Viele meiner Therapie-Kollegen, die COVID-19-Patienten behandeln, halten sich von ihren Familien fern, um diese zu schützen“, fügt Frau Murray hinzu. Die Rehabilitationstherapeuten halten sich strikt an die von den lokalen Behörden, der britischen Regierung und dem WHO-Regionalbüro für Europa festgelegten Empfehlungen und unterstützen sich natürlich gegenseitig, um die Moral aufrechtzuerhalten.

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