Gastbeitrag: Wie kann das Katastrophenrisiko in Flussdeltas verringert werden?

Von Zita Sebesvari und Michael Hagenlocher | Universität der Vereinten Nationen - Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNU-EHS)

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Gemeinschaften in Flussdeltas sind vielerorts kaum auf Überschwemmungen vorbereitet. Insbesondere für die schutzbedürftigsten Gruppen ist das ein Risiko.

Küstenahe Flussdeltas sind Brennpunkte globalen Wandels und aufgrund ihrer dichten Bevölkerung ökologisch und wirtschaftlich entscheidende Ballungsräume. Die Herausforderungen für diese einzigartige Landschaft und ihre Bewohner zu verstehen, wird uns helfen, den Wandel zur Nachhaltigkeit von heute und morgen zu gestalten.

Heute leben etwa 360 Millionen Menschen in Flussdeltas. Die dynamische Kombination aus Land, Süß-, Brack- und Salzwasser schafft ein einzigartiges, biologisch diverses Ökosystem mit einer Vielzahl an natürlichen Ressourcen und Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Produktion.

Gleichzeitig bieten die vielen Wasserwege der Deltas Transportmöglichkeiten und dienen so als Tor zu inländischen Orten. Es ist diese Fruchtbarkeit und Anbindung, die Deltas vor tausenden Jahren zu einem attraktiven Siedlungsort machte.

Während ganze Wirtschaften von diesen fruchtbaren Landstrichen abhängen, sind Deltas zunehmend durch Umweltkatastrophen und die Folgen des Klimawandels bedroht.

Überschwemmungen werden beispielswiese nicht nur durch veränderte Niederschlagsmuster und steigende Meerespiegel beeinflusst, sondern auch durch Entwaldung, Wasserkraftprojekte (z.B. die Installation von Dämmen zur Energieproduktion), Verstädterung und Oberflächenversiegelung.

All diese Phänomene verändern die Flussströme und Flutungsphasen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der betroffenen Gemeinden, sich auf die Überschwemmungen vorzubereiten und auf ihre Folgen zu reagieren, begrenzt und ungleich verteilt. Insbesondere die schutzbedürftigsten Menschen sind häufig dem höchsten Risiko ausgesetzt.

Während sich die Risiken für die Deltaregionen aus einem komplexen Zwischenspiel menschlicher und natürlicher Prozesse ergeben, sind auch die Lösungen zur Risikoreduzierung und Anpassung vielfältig. Dazu zählen Maßnahmen zum Schutz der Ökosysteme und Bevölkerung sowie eine verbesserte Reaktion auf unvermeidbare Naturgefahren.

Beispiele für solche Maßnahmen sind der Schutz des Landes vor Überschwemmungen durch Deiche, Hochwassermauern und Uferbefestigungen; die Prävention von Küstenerosion durch ökosystem-basierte Lösungen wie Mangroven, die die Wucht von Wellen und Sturmfluten abschwächen; der Ausbau von Küstenlinien durch Strandregenerierung und Dünenschutz sowie die Anpassung an Hochwasser durch die Erhöhung von Häusern und Straßen.

In den meisten Fällen ist daher eine Kombination dieser Lösungen notwendig, um das Katastrophenrisiko zu verringern und die Anpassung zu verbessern. Ganzheitliche Ansätze müssen daher die Risikolage identifizieren und Lösungen bereitstellen, die sowohl die Bevölkerung als auch die Ökosysteme schützen.

Trotzdem wird gegenwärtig das Risiko und die Verwundbarkeit eines Deltas meistens mit Blick auf einzelne Gefahren analysiert, entweder auf der Ebene des Deltas oder auf der Basis einzelner Fallstudien auf lokaler Ebene. Um diese Lücken zu schließen und die Plannung von gezielten Strategien zur Risikoreduzierung und Anpassung zu unterstützen, haben wir eine innovative Beurteilungs-Methode, den Globalen Delta Risiko Index (GDRI), entworfen. Der GDRI wurde in einem partizipatorischen Prozess entwickelt und erstmalig in den Mekong-, Ganges-Brahmaputra-Meghna- und Amazon-Deltas angewandt.

Die Zukunft von Flussdeltas und ihre Resilienz können das Erreichen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) entscheidend erleichtern - oder erschweren. Methoden wie der GDRI zur Risikoanalyse in Flußdeltas bieten daher enormes Potenzial, aus Deltas einen sicheren und wohlhabenden Ort für alle zu machen.

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