Wie kann freiwilliges Engagement die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften gegenüber globalen Risiken stärken?


Eine wegweisende Konferenz in Bonn, gemeinsam organisiert von UNV und GIZ, sucht vom 9. bis 12. Oktober Antworten


(Bonn - 30. September 2016) Das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) – beide Mitglieder des 'Forum for Volunteering in Development' (Forum) – organisieren gemeinsam die Konferenz 'International Volunteering Cooperation Organizations 2016' (IVCO 2016) auf dem UN Campus in Bonn. Zu der Veranstaltung, die vom 9. bis 12. Oktober stattfindet, werden 200 Teilnehmer erwartet. Schwerpunktthema ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften durch Freiwilligenarbeit.

In den vergangenen Jahren sind eine eine Reihe von Risiken verstärkt zutage getreten, die sich auf die globalen Friedens- und Entwicklungsagenden auswirken: neue und anhaltende Konflikte, die zu Migration führen, Klimawandel, Naturkatastrophen und Pandemien. Diese betreffen alle Länder und erhöhen die Notwendigkeit, Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen.

„Die Hälfte unserer Kooperationsländer ist mittlerweile fragil und zwei Drittel sind extrem arm. Armut, Fragilität und gewaltsame Konflikte sind häufige Fluchtursachen“, sagt GIZ-Vorstandmitglied Dr. Hans-Joachim Preuß. „Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer arbeiten bei ausgewählten Partnerorganisationen mit hoher Akzeptanz in der Zivilgesellschaft daran, die Leistungsfähigkeit dieser Organisationen und die Widerstandsfähigkeit der lokalen Bevölkerung zu erhöhen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Armutsminderung und zur Beseitigung von Fluchtursachen.“

Der internationale Freiwilligensektor spielt eine wichtige Rolle dabei, die Resilienzen von Gesellschaften – also die Verarbeitungs-, Antizipations- und Anpassungsfähigkeit gegenüber globalen Risiken zu verbessern. Die Konferenz wird die wichtigen Handlungsfelder beleuchten, in denen die internationalen Freiwilligenorganisationen einen wirkungsvollen Beitrag für mehr Resilienz leisten können.

Der erste Konferenztag widmet sich dem Thema Fragilität. In mehreren Dialogveranstaltungen werden die Auslöser von Fragilität diskutiert und die Möglichkeiten für internationale Freiwilligenorganisationen erörtert, Resilienzen in diesen Bereichen zu stärken. Was macht Gesellschaften resilienter? Die Delegierten werden die wichtigsten Treiber für eine nachhaltige Gesellschaft – soziales Wohlergehen, Existenzsicherheit, Qualität der Bildung und gute Regierungsführung – debattieren und erfahrene Fachleute praktischer Anwendungsmodelle und Indikatoren für erfolgreiche Rahmenbedingungen beisteuern.

Eine Diskussionsrunde mit dem Forum-Vorsitzenden Chis Eaton, dem Executive Coordinator des Freiwilligenprogrammes der Vereinten Nationen, Richard Dictus, und dem GIZ-Vorstandsmitglied Dr. Hans Joachim Preuß wird die Arbeitsergebnisse des Tages in den entwicklungspolitischen Zusammenhang stellen und die internationale Freiwilligenarbeit für mehr Resilienz darin verorten.

Am zweiten Konferenztag steht die Sicherheit von Freiwilligen im Mittelpunkt. Diskutiert werden Ansätze für mehr Schutz, Sicherheit und das Wohlbefinden von Freiwilligen. Der Fokus soll dabei auf der lokalen Freiwilligenarbeit – insbesondere im globalen Süden – liegen. Erörtert wird auch, wie diese mit Sicherheitsaspekten internationaler Freiwilligenarbeit verknüpft werden sollte. Am Nachmittag werden die Delegierten eine „Roadmap for Action“ entlang der tags zuvor identifizierten Faktoren für Fragilität erstellen. Sie soll den internationalen Organisationen als Wegweiser dienen, wie sie durch Freiwilligenarbeit dazu beitragen können, Fragilität und ihre Folgen abzumildern.

Am dritten Konferenztag werden die Ergebnisse der ersten beiden Tage zusammengeführt und ein ‚Bonn Call for Action’ formuliert, der als Richtschnur für die globale Freiwilligenagenda des kommenden Jahres und zur Vorbereitung der IVCO-Konferenz 2017 in Südkorea dienen wird.

Auch wird die Konferenz aufzeigen, was internationale Freiwilligenorganisationen leisten können, damit Freiwilligenarbeit eine wichtige Ressource für die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) darstellt. Am dritten Konferenztag werden dazu die Kernelemente des ‚Plan of Action’ der UN-Generalversammlung vorgestellt, mit dem Freiwilligenarbeit in die Umsetzung der Agenda 2030 verankert werden soll.

„Freiwilligenarbeit ist wahrscheinlich der beste Weg, um die Menschheit in die Umsetzung der SDGs einzubinden. Der weltweite politische Wille zur Rettung der Erde hat bisher nicht alle Menschen gleichwertig eingeschlossen und beteiligt. Wenn wir wirklich ändern wollen, wie wir leben, wie wir uns bewegen, wie wir unsere Häuser bauen und unsere Familien großziehen, müssen wir alle Menschen beteiligen – jeden einzelnen. Wenn wir aber weiterleben wollen wie bisher, dann brauchen wir dafür siebeneinhalb Erden. Deshalb ist Freiwilligenarbeit wichtig. Sie ermöglicht die Teilhabe aller am Veränderungsprozess. Sie schlägt Brücken, aktiviert Bürger, diskutiert mit, zeichnet Fortschritte auf und macht uns gegenseitig rechenschaftspflichtig. Kurz: Sie sorgt dafür, dass wir aktiv werden. Die Freiwilligen sind deshalb elementar für die Umsetzung der SDGs”, sagt Richard Dictus, Executive Coordinator des Freiwilligenprogrammes der Vereinten Nationen.

Die IVCO-Konferenz wird am 9. Oktober mit einem Empfang durch den stellvertretenden Bürgermeister Reinhard Limbach im Rathaus der Stadt Bonn eröffnet. Klassische Musik und gegenseitiges Kennenlernen setzen den Rahmen für die dreitägige Konferenz. Die IVCO-Konferenz findet jährlich statt und wird von Forum ausgerichtet, dem bedeutendsten Netzwerk internationaler Freiwilligenorganisation. Die Konferenz bietet die einmalige Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zur Vernetzung und zur Advocacy-Arbeit. UNV und GIZ sind Mitgliedsorganisationen bei Forum und zählten auch zu den Teilnehmerorganisationen der IVCO 2015 in Japan. Diese schloss mit einem Call for Action, in dem zur Unterstützung von Anstrengungen aufgerufen wurde, mit denen die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen erreicht werden können.

Mehr Information

Wo kann ich mich über die IVCO 2016 informieren?

Besuchen Sie die Website der IVCO 2016: https://www.ivco-2016-bonn.com

Hier sind die Ziele der Konferenz sowie das ausführliche Programm beschrieben. Außerdem erhalten Sie nützliche Informationen über Bonn, die diesjährige Gastgeberstadt der IVCO.

Wo kann ich mich registrieren?

Eine Registrierung ist für alle interessierten Teilnehmer unter dem folgenden Link möglich: https://www.bonn-conferences.de/ivco2016/en;

Was ist für die Medien vorgesehen?

Die Akredditierung ist für Medienverteter unter folgendem Link möglich: https://www.ivco-2016-bonn.com/press.html
Ein Pressegespräch ist für den 10 Oktober 2016 morgens geplant. Weitere Informationen hierzu werden über eine UN Bonn Medieninformation zeitnah kommuniziert.

Hintergrund

International Forum for Volunteering in Development (Forum)

FORUM ist das wichtigste globale Netzwerk internationaler Organisationen der Freiwilligenzusammenarbeit (IVCOs). Forum dient dazu, Informationen auszutauschen, Good Practices zu entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen dem Freiwilligen- und dem Entwicklungssektor international zu verstärken. Es fördert durch politisches Engagement, Voneinander-Lernen und Austausch innovativer sowie bewährter Vorgehensweisen den Nutzen der Freiwilligenarbeit für die Entwicklung. Forum ist ein ‚virtuelles‘ Netzwerk mit Mitgliedern aus der ganzen Welt, zu denen verschiedene Organisationen gehören, die sich für die internationale Entwicklung einsetzen, Nichtregierungsorganisationen ebenso wie staatliche Organisationen.

Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV)

Das Frewilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV) trägt durch Freiwilligenarbeit weltweit zu Frieden und Entwicklung bei. Gemeinsam mit unseren Partnern integrieren wir qualifizierte, hochmotivierte und gut unterstützte UN-Freiwillige in Entwicklungsprogramme und fördern den Nutzen sowie die globale Anerkennung von Freiwilligenarbeit. Das UNV wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) verwaltet. 2015 wurden im Rahmen des UNV 6.976 UN-Freiwillige zur Unterstützung der Entwicklungs- und Friedenseinsätze der Vereinten Nationen und anderer Partner eingesetzt. Diese UN-Freiwilligen kamen aus 153 Ländern, davon zu 82 Prozent aus Entwicklungsländern. 57 Prozent der Freiwilligen waren Männer und 43 Prozent Frauen. Etwa 1.598 Freiwillige waren jünger als 29 Jahre und 435 engagierten sich als junge Freiwillige gemäß der UN Youth Volunteer Modality. Die UN-Freiwilligen leisteten wertvolle Beiträge in 122 Ländern auf der ganzen Welt. Zusätzlich führten mehr als 11.000 Online-Freiwillige der UN 15.000 Einsätze über das Internet aus, um die Friedens- und Entwicklungsaktivitäten von UN-Organisationen, Regierungen und Organisationen der Zivilgesellschaft zu unterstützen.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist ein globaler Dienstleister im Bereich der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung. Als gemeinnütziges Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die deutsche Regierung – insbesondere das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – sowie öffentliche und private Kunden in ca. 130 Ländern dabei, ihre Ziele der internationalen Zusammenarbeit zu erreichen. Mit dieser Ausrichtung arbeitet die GIZ gemeinsam mit ihren Partnern an der Entwicklung effektiver Lösungen, die den Menschen positivere Zukunftsperspektiven bieten und ihre Lebensbedingungen nachhaltig verbessern. Eine Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen ist der Einsatz von Entwicklungshelfern. Als Freiwillige mit fachlichem Hintergrund beraten Entwicklungshelfer staatliche Institutionen sowie Organisationen aus dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft auf lokaler und kommunaler Ebene. Schwerpunkte ihrer Beratungsleistung sind unter anderem die Verbesserung von Führungskompetenzen, organisatorische Exzellenz und kompetenzbasierte Schulungen in den Bereichen Demokratie und Bildung, die Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung, Beschäftigung, ländlicher Entwicklung und effizienten Gesundheitssystemen, erneuerbare Energien, Klimawandel sowie zivile Konfliktbearbeitung. Die Förderung einer breiten Widerstandsfähigkeit in Gemeinschaften ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Einsätze vieler Entwicklungshelfer.

Kontakt

Freiwilligen Programm der Vereinten Nationen: Jennifer Stapper, Tel. +49 (0)228 815 2163, jennifer.stapper@unv.org

Deutsche Geselleschaft für Internationale Zusammenarbeit: Detlev Tenzer, Tel.  + 49 (0) 228 4460-1848, detlev.tenzer@giz.de